Allergien

Volkskrankheit Allergie

Viele Menschen können davon ein Lied singen. Wer selber nicht unter Heuschnupfen, atopischen Ekzem (Neurodermitis) oder einer Nahrungsmittelallergie leidet, kennt doch zumeist Menschen in seiner Umgebung, die betroffen sind.

Anhand wissenschaftlicher Studien läßt sich die Zunahme an allergischen Erkrankungen belegen. So ergaben verschiedene Untersuchungen zur Pollinosehäufigkeit (durch Pollen verursachte Allergien) in der Stadt Zürich folgendes Bild:

Jahr  Befragte  Häufigkeit
1926  14.549   1,4 % 
1986   8.246
  4,82%
1986   1.148  10,02%

Die umfangreiche ISAAC-Studie, bei der zwischen 1992 und 1996 in 155 Studienzentren 463.801 Kinder im Alter zwischen 13 und 14 Jahren untersucht wurden, kommt zu folgenden Zahlen für die Häufigkeit von Allergien in Deutschland:

  Häufigkeit Bundesbürger
 Atopische Sensibilisierungen insgesamt  30-40%  24-32 Mio.
 Allergische Rhinitis  15%  ca. 12 Mio.
 Allergisches Asthma bronchiale  5%  ca. 4 Mio.

 Nicht weniger besorgniserregend als die Zunahme der allergischen Erkrankungen sind die Feststellungen der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), wonach nur ca. 10% der allergischen Bundesbürger qualifiziert versorgt werden:

 

Quelle: DGAI, ÄDA

 

Die Gründe, die zu der starken Zunahme allergischer Erkrankungen führen, werden zur Zeit noch intensiv erforscht. Auf diesem Forschungsgebiet sind in den nächsten Jahren noch aufschlußreiche Ergebnisse zu erwarten.

In Frage kommen u.a.

1. Die Veränderungen unserer Lebensbedingungen:

Allergische Erkrankungen sind Erkrankungen des Immunsystems. Eine wichtige Rolle bei einer allergischen Reaktion spielen die Antikörper der Klasse IgE, die das Immunsystem auch für die Abwehr von Parasiten, z.B. Würmern, einsetzt. Da die verbesserten hygienischen Bedingungen heutzutage im Vergleich zu früher zu einer Abnahme von parasitären Erkrankungen geführt haben, wurde die These aufgestellt, daß dieser Teil unseres Immunsystems "unterfordert" ist. Weiterhin konnte nachgewiesen werden, daß Kinder, deren Immunsystem sich mit bestimmten Krankheitserregern - z.B. dem Erreger der Tuberkulose - auseinandersetzen mußte, seltener an Allergien erkranken.

2. Die Veränderung unserer Lebensgewohnheiten:

Hier kommen unter anderem unsere Ernährungsgewohnheiten in Betracht. Lebensmittel kommen heutzutage aus allen Teilen der Erde zu uns. Somit kommt unser Immunsystem mit Allergenen in Kontakt, die noch vor 50 Jahren hierzulande unbekannt waren. Weiterhin scheint der Zufuhr bestimmter Fette, die wir über die Nahrung aufnehmen, eine gewisse Rolle bei der Allergieentstehung zuzukommen.

Auch andere Substanzen, mit denen wir früher nicht in Kontakt kamen, halten verstärkt Einzug in unseren Alltag. Man denke nur an neue Nahrungsmittelzusatzstoffe, Textilfarbstoffe und Medikamente, um nur einige zu nennen. Die weite Verbreitung von Latex im medizinischen Bereich (z.B. in Untersuchungshandschuhen) ist mit einer Zunahme von Latexallergien bei medizinischem Personal einhergegangen.

3. Umwelteinflüsse

Umwelteinflüsse dürften ebenfalls bei der Zunahme allergischer Erkrankungen eine Rolle spielen. Auch wenn der Stellenwert verschiedener Schadstoffbelastungen bei der Entstehung von Allergien noch nicht endgültig geklärt ist, so konnte doch nachgewiesen werden, daß z.B. Dieselrußpartikel die Entstehung von Allergien fördern können.

Allergien nicht auf die leichte Schulter nehmen

Häufig äußern sich die ersten Anzeichen einer Allergie in Form eines Heuschnupfens, der zwar lästig ist, aber bei Pollenallergien z.B. nur zur Zeit des Pollenfluges der jeweiligen Pflanze auftritt. Die Beschwerden lassen sich häufig durch die Einnahme sogenannter symptomatischer Medikamente (z.B. Antihistaminika) unterdrücken, ohne jedoch die eigentlichen Ursachen der Allergie zu bekämpfen.

Auch wenn der durch einen Heuschnupfen verursachte Leidensdruck möglicherweise anfänglich nicht so groß ist, empfiehlt es sich dennoch, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, der Erfahrung in der Diagnostik und Therapie allergischer Erkrankungen besitzt. Man erkennt einen Arzt, der diese Erfahrung hat, an der Zusatzbezeichnung "Allergologie". Das sind in Deutschland meistens Hautärzte, Hals-Nasen-Ohrenärzte, Lungenfachärzte (Pneumologen), Kinderärzte, zum Teil aber auch Allgemeinärzte oder Ärzte anderer Fachrichtungen.

Eine Allergie gegen inhalative (eingeatmete) Allergene birgt immer auch die Gefahr des "Etagenwechsels". Damit ist gemeint, daß sich die Symptome von den oberen Atmungsorganen (Nase) im Laufe der Zeit auf die unteren Atmungsorgane (Bronchien der Lunge) verlagern können. Die Folge ist allergisches Asthma bronchiale, das bei zirka 40% der unbehandelten Pollenallergiker innerhalb von 8 Jahren auftritt! Ernste gesundheitlich Schäden und Berufsunfähigkeit können die Folge sein.

Rechtzeitig zum Allergologen gehen

Symptomatische Medikamente wie Antihistaminika können die allergischen Beschwerden zwar kurzfristig lindern, die Ursache der Allergie bekämpfen sie aber nicht. Mit der Allergieimpfung (häufig auch spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung genannt) steht dem Allergologen aber eine Behandlungsform zur Verfügung, mit dem viele inhalative Allergien, zum Beispiel gegen Pollen- und Milbenallergene, ursächlich und mit Erfolg behandelt werden können.

Der Erfolg einer solchen Behandlung setzt aber eine genaue Diagnostik voraus, bei der die auslösenden Allergene durch verschiedene Testmethoden eindeutig identifiziert werden. Da diese Diagnostik häufig einer detektivischen Kleinarbeit gleicht und auch viel Erfahrung verlangt, sollte sie von einem Fachmann durchgeführt werden.

Die beste Therapie ist natürlich die Meidung der allergieauslösenden Stoffe. Wo das allerdings kaum möglich ist, z.B. bei den Pollenallergien, kann die Allergieimpfung den gefürchteten Etagenwechsel wirkungsvoll verhindern helfen. Bei Patienten, die unter einer Allergie gegen Insektengifte (z.B. Biene oder Wespe) leiden, kann diese Art der Behandlung unter Umständen sogar lebensrettend sein! Wissenschaftliche Studien haben außerdem gezeigt, daß bei Patienten, die sich erfolgreich einer spezifischen Immuntherapie unterzogen haben, seltener neue Sensibilisierungen hinzukommen, als bei Allergikern, die ausschließlich mit symptomatischen Medikamenten behandelt wurden.

Wo finden Sie weitere Informationen zum Thema Allergie?

Auf den folgenden Seiten unseres Internetangebotes geben wir Ihnen Gelegenheit, sich weitere Informationen zum Thema Allergie anzusehen.